Ein paar persönliche Worte von Andi
Eigentlich bin ich für die Geschichte zuständig, wie Max´ Everesting zum Spendenprojekt für das Waisenhaus in Uganda wurde. Man kann das in wenigen Sätzen zusammenfassen: Voriges Jahr durfte ich für Kunden und mich eine Reise nach Uganda organisieren, mit dem Ziel, die letzten noch lebenden Berggorillas zu besuchen. Durch Zufall sind wir in einem kleinen Dorf in ein Waisenhaus reingestolpert. Am nächsten Tag schon haben wir einen Kofferraum voll mit Lebensmittel für die Kinder gekauft und ein paar gemeinsame Bilder als Erinnerung geschossen. Der nette Kontakt mit den Betreibern des Waisenhauses besteht heute immer noch. In den letzten Monaten wurde dieses allerdings durch die Naturgewalten und die Corona Krise immer wieder in Mitleidenschaft gezogen. Vor ein paar Wochen kam dann der Stein ins Rollen, als Max mich nach Spendenideen in Afrika fragte.
An dieser Stelle sollte ich nun etwas über dieses Waisenhaus in Uganda schreiben. Meine Eindrücke schildern, unter welchen Umständen 140 Kinder aufwachsen. Aber ich denke, jeder kann sich vorstellen, wie es in einem afrikanischen Waisenhaus aussieht. Daher möchte ich eine komplett andere Richtung einschlagen, und Euch nicht nur zum Spenden, sondern auch zum Innehalten und Nachdenken anregen.
Reisen am schwarzen Kontinent beinhalten immer Überraschungen und spannende Begegnungen mit Mensch und Tier. Diese Reisen lehren mich Demut in Anbetracht der einzigartigen Schönheit des schwarzen Kontinents. Zuhören, sehen und denken. Der afrikanische Busch, wo fragile Ökosysteme noch funktionieren, Mensch und Tier in einer fairen Co-Existenz leben, beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Nirgendwo fühle ich mich mehr zu Hause. Ich als ständig Getriebene bekomme Gelassenheit aufgezwungen, dass man manche Dinge nicht ändern kann, Akzeptanz zu lernen.
Afrika akzeptiert immer!
Akzeptanz, dass es seit vielen Jahrzehnten von den Industriestaaten ausgebeutet wird, und nichts zurückbekommt, außer „verbrannte Erde“, zerstörter und zerrütteter Lebensraum. Leben mit dem Wenigen, was man hat.
Wie wichtig Familie und Zusammenhalt in der Gemeinschaft ist. In Afrika ist es selbstverständlich, zu teilen. Afrika schämt sich nicht, einfach zu leben, und nichts zu besitzen. Sie leben Gastfreundschaft, obwohl sie selbst nicht genug für sich und ihre Familien haben.
Korrupte Regierungen, Krankheiten, Klimaveränderung und die daraus resultierenden Missernten - die Armut, das Leid, der Hunger. Es fehlt an Allem. Das Ausbleiben von dringend benötigten Impfstoffen und Insektenvernichtungsmittel. Die Heuschreckenplage hat einen Großteil der Ernten in Äthiopien, Kenia und Tansania vollkommen vernichtet. Und dann kam auch noch Corona. Doch Afrika bleibt stark, wie immer. Und akzeptiert. Beschwert sich nicht.
Ich bewundere Afrika, wie stark es ist.
Auch unsere 140 Kleinen, um die es eigentlich geht, mussten lernen mit Corona umzugehen. Sie halten einen „Babyelefanten“ Abstand (sie wissen wenigstens auch wie groß Babyelefanten im wirklichen Leben sind;), waschen sich oft die Hände, und müssen auf die Hygiene achten. Doch auch sie schaffen es, so wie Afrika es immer schafft.
Corona hat uns alle aus heiterem Himmel getroffen, wohl niemand konnte sich vor sechs Monaten im Entferntesten vorstellen, wochenlang mit Gesichtsmaske durch Spar oder Merkur zu laufen, Klopapier zu bunkern oder „Hamster“ zu kaufen. Für viele wurde der Lockdown zur Bewährungsprobe innerhalb der Familie, und manche hätten das Homeoffice liebend gerne wieder gegen die Normalität im Büro eingetauscht - mich miteingeschlossen.
Was mich zunehmend nachdenklich macht, sind die Schicksale. Viele meiner ausländischen Kollegen im Tourismus wurden auf einen Schlag arbeitslos und stehen ohne Einkommen da. Staatliche Unterstützung gibt es nur in den wenigsten Fällen. Um etwas sparen zu können, verdient man "in diesen Ländern" in der Regel nicht genug. Das Gehalt reicht gerade mal zum Überleben. Die vielen Guides, Fahrer, und all Jene, die sich in den letzten Jahren um meine Kunden gekümmert haben, leben jetzt von der Hand in den Mund. Viele konnten aufgrund der wochenlangen Ausgangssperren tagelang ihr Zuhause nicht verlassen, und ihre teilweise großen Familien leben zusammen auf engstem Raum. Ohne Netflix, Internet oder Amazon. Ohne die Möglichkeit Geld zu verdienen um Ihre Lebenskosten abzudecken.
Wie oft denken wir darüber nach, welches Glück wir haben, in Österreich zu leben? Wie dankbar sind wir darüber, in einem Land geboren zu sein mit dem besten Auffangnetz an sozialen Leistungen. Geborgen und sicher im Schoße der Regierung zu sein, ohne Kriege und Angst ums eigene Leben. Jeder, der jetzt "ja, aber" schreit - Klappe halten – Bitte!!
Bei der Geburtenlotterie haben wir wohl alle auf die sechs Richtigen getippt. Auch wenn wir dieses Jahr Urlaub auf Balkonien oder Terrassien machen, wir können nach Corona wieder fast ohne Einschränkungen reisen - mit dem österreichischen Reisepass gibt es fast keine Reisebeschränkungen, die man sich mit einem Visum nicht erkaufen könnte.
Halten wir einfach inne, denken nach, wie gut wir es haben. Auch wenn es dort und da mal eckt oder zwickt, uns geht es gut. Wir sind frei, frei von Überlebensängsten. Wir haben ein Dach über dem Kopf und immer genug zu essen im Kühlschrank. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen. Wir müssen auf nichts verzichten, wir leisten uns alles, was unserer Meinung nach ein glückliches, erfülltes Leben ausmacht. Sind wir doch einfach einmal aufrichtig dankbar. Ohne „aber“.
So wie unsere 140 Waisenkinder in Uganda. Deren Eltern gestorben sind, oder die zwar Eltern haben, die sich aber ein weiteres Kind nicht leisten können. Kinder, die unter den einfachsten Bedingungen aufwachsen – welche Zukunft erwartet sie?
Möchten wir nicht mal auf etwas bewusst verzichten, so wie es diese Kinder ihr ganzes Leben lang tun müssen? Einfach mal die gute Flasche Wein zurück ins Regal stellen, den Besuch beim Heurigen auslassen und das Geld stattdessen für eine gute Sache spenden? Oder besser noch – das Geld zu teilen. Teilen, damit im Waisenhaus der durch eine Überschwemmung kollabierte Toilettenblock wieder aufgebaut werden kann. Zurzeit ist ihre Toilette lediglich ein Loch im Boden. Geld mit dem die Versorgung von sauberem Trinkwasser gesichert ist. Dass die Kinder mehr Abwechslung beim Essen haben, statt dreimal täglich Maisbrei. Schulmaterialien, das eine oder andere Spielzeug, Kleidung, Entwurmungstabletten, Medikamente. Dinge, über die wir uns niemals Gedanken machen, da sie so selbstverständlich für uns sind.
Wollen wir nicht mal bewusst auf etwas verzichten, so wie es die Menschen in Afrika ihr ganzes Leben lange müssen? Mit Menschen teilen, die nicht das große Los im Geburtenlotto - wie wir - gezogen haben.